Interview mit Referentin Berta Vega

In der aktuellen Ausgabe der Gewerkschaftszeitung „Direkte Aktion“ (DA 221, Januar/Februar 2014) ist ein Interview mit einer der drei Referentinnen des Projekts „Vivir en y contra la crisis“ vom Frühjahr 2013 erschienen, in dem sie wesentliche Punkte ihrer Beiträge aus den Workshops und Podiumsdiskussionen in Kiel, Hamburg und Bremen aufgreift: So zeigt sie den politischen Zusammenhang zwischen Austeritätspolitik und Geschlechterdiskriminierung an praktischen Beispielen auf und gibt einen Einblick in die sozialen und politischen Konsequenzen der ökonomischen Krise in Spanien mit besonderem Bezug auf die Provinz Galicien: Die Krise als Katalysator der Reaktion

Ankündigung: Radio-Sendung zum Projekt auf FSK Hamburg

Am 20. März könnt ihr von 20:00 – 21:00 Uhr eine Radiosendung zu unserem Projekt „Vivir en y contra la crisis“ auf FSK Hamburg (93,0 MHZ in HH oder im Livestream) anhören. Mit Hintergründen, Erzählungen und jeder Menge galicischer Musik. Wir sind gespannt, was passieren wird und freuen uns, wenn ihr reinhört!

Ankündigung von FSK Hamburg:
„Ein Jahr nach Beginn der Generalstreikbewegung in der spanischen Provinz Galicien begeben wir uns auf eine ideologiekritische Reise entlang der Auswüchse sozialer Erschütterung und kultureller Zersplitterung in einer der katholischsten Gegenden Europas. Zu Reden sein wird über linken, rechten und natürlich „unpolitischen“ Nationalismus, über reale und fiktive Gegenmacht durch Streiks und Barrikaden, über erhoffte Auswege durch Religion und Klassenbewusstsein sowie das Zuschütten alter und das Freilegen neuer Räume. Begleitet werden wir dabei von einem Querschnitt aktueller und älterer galicischer Musik.“

Willkommen!

Benvida e Benvido, Bienvenida y Bienvenido und Moin Moin auf dem Blog zur Workshop- und Konzerttour „Vivir en y contra la crisis – Leben in der und gegen die Krise“. Hier erfahrt ihr alles rund um unser Projekt, das am Karfreitag, dem 29.3., in Kiel (in der Hansa48), am Karsamstag, den 30.3. in Bremen (im BDP Haus am Hulsberg) und am Ostersonntag, den 31.3., in Hamburg (im Centro Sociale) jeweils ab 14:00 Uhr stattfinden wird. Wir wissen, dass es viele viele Leute da draußen gibt, die wie wir keinen Bock mehr haben, sich nur passiv die neusten Neuigkeiten über die soziale Abwärtsspirale aus den Nachrichten rein zu ziehen. In Spanien sind sowohl Verelendung wie auch Bewegung ein ganzes Stück weiter voran gestiegen – wir wollen mehr über das erfahren, was in dem ereignisreichen Jahr 2012 dort passierte, um zu verstehen, zu lernen – und zu handeln.

A Folga Xeral! (Offizieller Ankündigungstext)

5 Minuten – genau so lange wurde 1983 als eine Aktion gegen Aufrüstung bundesweit die Arbeit niedergelegt. Es war das erste und letzte Mal, dass in der Bundesrepublik so etwas wie ein „Generalstreik“ auch nur ansatzweise stattfand. 48 Stunden – so lange ist die Geschichte des Generalstreiks des Jahres 2012 in Spanien. Am 29. März und 14. November stand das wirtschaftliche Leben des Landes still; das soziale und politische Leben jedoch war voller Aufruhr, Spannung und Hoffnung. Was in Deutschland nur als Begleiterscheinungen des immer gleichen Krisenpalavers der Regierungen über die Bildschirme flimmert, ist für diese Menschen unmittelbarer Teil ihres Lebens geworden: Die Wut und die Verzweiflung aufgrund der Verhältnisse, die Entschlossenheit und Zuversicht im Hinblick auf die zu führenden Kämpfe.

Die Bewegungen, die unter der Chiffre „M29“ am 29.3. 2012 in den ersten Generalstreik mündeten, hatten ihren Ausgangspunkt in regionalen Arbeitsniederlegungen im Baskenland und in Galicien. Hier, in Galicien, spiegelt sich der facettenreiche, widersprüchliche und umkämpfte Charakter der spanischen Gesellschaft exemplarisch wieder: Industrielle Großstädte mit einer reichen Kultur der sozialen Bewegungen treffen auf traditionsbewusste Dorfgemeinschaften, katholischer Dogmatismus auf einen kämpferischen Feminismus, Kosmopolitismus auf gelebten Regionalismus und ideologischen Nationalismus – und all dies unter den Bedingungen einer sich weiter zuspitzende Wirtschaftskrise. In dem aktuellen Prozess der Re-Politisierung weiter Kreise der galicischen Gesellschaft verlaufen die Grenzen dabei oft unscharf zwischen den verschiedenen Gruppen, kommt es zu unheiligen Allianzen, trotzigen Alleingängen und schweren Auseinandersetzungen.

Anlässlich des Jahrestages des Beginns der Generalstreikbewegung in Spanien haben wir drei Frauen aus Galicien eingeladen, die in den Bereichen Soziale Arbeit, basisdemokratische Gewerkschaftsbewegung und politische Bildung tätig sind. Anhand von kurzen, wechselnden Workshops werden sie uns ihre Sicht auf die Verhältnisse näherbringen.

Workshops

Locations: Hansa 48 (Kiel), Centro Sociale (Hamburg), BDP Haus am Hulsberg (Bremen)

Ablauf:

14:30 : Begrüßung der Referentinnen und Teilnehmenden durch die OrganisatorInnen, Einweisung in die Workshop-Struktur und den Tagesablauf
15:00 – Beginn der parallelen Workshops

Workshop 1: Repression gegen Gewerkschaften im Zuge des Generalstreiks (Lorena Cuevas)
Workshop 2: Soziale Arbeit im Großraum Ourense unter den Bedingungen der Krise aus gendersensibler Sicht (Berta Vega)
Workshop 3: Institutionelle und ideologische Machtstrukturen der regierenden konservativen Partei am Beispiel Galiciens und die Möglichkeiten und Probleme der Generalstreikbewegung, die konservative Hegemonie zu durchbrechen (Graciela Rojo Alberte)

15:45 – Pause, Kochen und Essen

16: 30 Zweiter Teil – Workshops:

(Routieren der Teilnehmenden zum gewünschten Thema)

Workshop 1: Repression gegen Gewerkschaften im Zuge des Generalstreiks (Lorena Cuevas)
Workshop 2: Soziale Arbeit im Großraum Ourense unter den Bedingungen der Krise aus gendersensibler Sicht (Berta Vega)
Workshop 3: Institutionelle und ideologische Machtstrukturen der regierenden konservativen Partei am Beispiel galiCien und die Möglichkeiten und Probleme der Generalstreikbewegung, die konservative Hegemonie zu durchbrechen (Graciela Rojo Alberte)

17:15 – Zusammentragen der Ergebnisse, Abschlussdiskussion

Ca. 18:00 Uhr – Ende des Workshops, Einladung zum Besuch des Konzertes von „O Sonoro Maxín“ (in Kiel und Hamburg)

Zu den Referentinnen:

Berta Vega ist Sozialarbeiterin im Raum Ourense und kann aus ihrem Alltag heraus die Folgen der Wirtschaftskrise für die Menschen wie auch die in sozialen Einrichtungen Beschäftigten berichten. Ihr geht es auch um eine Problematisierung der Konstruktion „weiblicher Berufe“: So sind vor allem Frauen in Schulen, Kindergärten oder auch sozialpädagogischen Einrichtungen beschäftigt, da diese Berufe als „weibliche Domäne“ gelten. Mithin sind nun häufig Frauen von den Entlassungen und Kürzungen im Sozialbereich betroffen.

Graciela Rojo Alberte ist Mitglied der „Izquierda Unida“ (Vereinigte Linke, welche im Europaparlament u.a. mit der Partei „Die Linke“ eine Fraktion bildet), und wird auf die Wahlerfolge der konservativen Partido Popular im Zuge der Krise und die institutionelle wie ideologische Macht konservativer Kräfte in Spanien eingehen. Welche Chancen auf Veränderung können emanzipatorische Kräfte vor diesem Hintergrund in der Krise nutzen?“

Lorena Cuevas, Mitglied der traditionsreichen Basisgewerkschaft CNT, wird über die Organisierung des Generalstreiks und die seit dem andauernde Repression gegen soziale Bewegungen und insbesondere gegen GewerkschafterInnen berichten.